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Das Jahr über:
Die Erzählungen, Berichte, Anmerkungen usw. in diesem Abschnitt sind u.a. den Monaten im Jahreskreis angelehnt. Dabei wird an Termine und Feiern ebenso erinnert wie an Sitten und Bräuche, den Jahreszeiten zugeordnete "Hochfeste" sowie an spezielle Störmeder Ereignisse, Gedenktage und auch an besondere Lebensumstände in Kindheitstagen, welche u.a. in Versen, Vertellekens usw. vorgestellt werden. Auch der Wetterbeobachtung, oft gefasst in Bauernregeln, kam auf dem Lande wegen des Wettereinflusses auf Arbeit, Arbeitsabläufe und Arbeitsergebnisse große Bedeutung zu. Dazu ein paar Beispiele:
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Neujahrskrengel
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In der Nacht "zwischen den Jahren" überbringen die jungen Burschen in Störmede, nach alter Tradition, ihren "Angebetenen" einen "Neujahrskrengel". Dieses etwa 30 mal 40 cm brezelförmige über und über mit Streuseln belegte leckere Hefegebäck wird den Mädchen nach Mitternacht oft bis ans Bett gebracht und mit einem Segensspruch überreicht, wie z.B. :
"Ik wünske deu un meu, oin chlücksiäliges Nigjauher!
De Häerchuod magg et chiewen, füer us un äuk füer jiu!"
d.h.
"Ich wünsche Dir und mir, ein glückseliges Neujahr!
Der Herrgott mög' es geben, für uns und auch für Euch!"
Die "Freier" werden danach mit einem reichhaltigen,
deftigen Nachtmahl bewirtet!
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Störmeder Neujahrskrengel
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Lüttke Fast
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Der Karneval fällt oft schon in den Monat Februar. Die "närrischen Tage" beginnen mit dem Donnerstag vor Fastnacht - Lüttke Fast! Die Kinder ziehen dann bei uns im Dorf von Haus zu Haus und tragen ihr Heischelied vor:
"Lüttke-, Lüttke-Fast!
Ik sin seon kloiner Chast, ik magg seo chärne Wuerst! Chiw meu oine, chiw meu oine, owwer nit seo 'ne chanse kloine! Laut dat Mässer sinken, bis unnen innen Schinken.
Laut meu nit ti lange stauhn, ik mott näuh 'n Huiseken widder chauhn!"
d.h.
"Kleine-, Vor-Fastnacht!
Ich bin ein kleiner Gast, ich mag so gerne Wurst. Gib mir eine, gib mir eine, aber nicht so 'ne ganze kleine! Lass das Messer sinken, bis unten in den Schinken!
Lass mich nicht so lange stehn, ich muss noch ein Häuschen weiter gehn!"
Ein paar andere Verse:
Et sint nit alle fidel, de danset !
d.h. Es sind nicht alle vergnügt, die tanzen !
Wieker alle Dage feuert, fröcht nit nauh 'n Sunndag !
d.h. Wer alle Tage feiert, fragt nicht nach dem Sonntag !
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Milchholen
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Als Kühe und Ziegen früher noch auf Gemeinschaftsweiden ( Huden ) getrieben wurden, mussten die Tiere mittags hier auch "von Hand" gemolken werden !
Die Milch wurde dann vom Melkplatz in Eimern an einem Joch nach Hause getragen. Solche Melk- und Ruheplätze nannte man "Neoneplässe" !
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Auf dem "Neoneplass"
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Lebenserfahrungen
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Tivill Lant unnern Pläug, tivill Kögge innen Stall, bringet
dien bästen Biuern ti Fall !
d.h. : Zuviel Land unter 'm Pflug, zuviel Kühe im Stall,
bringen den besten Bauern zu Fall !
Brauken, ploigen un chutt misten, füllt dien Biuern seune Kisten !
Brachen, pfügen und gut misten, füllt dem Bauern seine Kisten !
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Zwei Hochfeste vor der Ernte
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Anfang Juli, vor der Ernte, werden bei uns die beiden Hochfeste des Dorfes gefeiert : Der "Lobetag" und das Schützenfest. Der Lobetag geht auf ein Gelübte aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück, das Schützenfest vereinigt alle Dorfbewohner beim fröhlichen Treiben sowie der Pflege alten Brauchtums.
Dann beginnt schon bald, früher oft mit dem "Jakobus-Tag" (25. Juli ), die strapazenreiche Zeit der Ernte, für die "gutes Wetter" gefragt war,
denn : Hagelt et innen Juli un August, iss et iut beu dien Biuern mit de chräuten Lust !
d.h. : Hagelt es im Juli und August, ist es aus mit des Bauern Freud und Lust !
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Erntezeit
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Auf dem Feld, von Richte zu Richte
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In der "Vormähdrescherzeit" wurde das Getreide vom Feld mit "Leiterwagen" in die Scheunen gebracht. Besonders zügig ging diese Arbeit vonstatten, wenn das Getreide "mit stehendem Wagen" eingeholt werden konnte!
Genügend Helfer, mindestens drei Erntewagen und zwei Pferdegespanne waren dabei vonnöten : Ein Gespann zog beim Aufladen einen Wagen auf dem Feld von Richte zu Richte, mit einem weiteren Pferdegespann wurde der volle Erntewagen zum Haus oder zur Scheune gebracht, ein
drittes Gefährt - "der stehende Wagen" - wurde unterdessen abgeladen und das Korn in der "Banse" gestapelt.
Nach abgeschlossener Ernte wurde mit dankbarer Freude ein frohes Fest gefeiert - das Erntedankfest.. Hierin kam auch der Dank des Bauern - des "Ackermannes" - an seine vielen Erntehelfer und "Ackersleute" zum Ausdruck.
Schon bald kündigt sich der Herbst an, die Arbeit auf den Feldern zur Vorbereitung der Einsaat beginnt nun.
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Wetterregeln
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Der Landmann versuchte oft, aus den Wetterverhältnissen an sogenannten "Lostagen" auf die Witterung in größeren Zeiträumen zu schließen.
Einer dieser "Lostage" war z.B. der 11. November, St Martin. Da hieß es dann :
Hiät Martini 'nen witten Bauhert, wätt de Winter hatt un diuert !
d.h.- Hat Martini einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart !
oder :
St. Martin settet sik faken mit Dank, annen waamen Uawen up de Bank !
d.h.- St. Martin setzt sich oft mit Dank, am warmen Ofen auf die Bank !
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Im Winter
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In den Wintermonaten wurde die außerhäusliche Betriebsamkeit in den bäuerlichen Familien stark eingeschränkt, Feldarbeit war nur noch bedingt möglich. Deshalb blieb mehr Zeit für Arbeiten im Haus und auf dem Hof. Die Tiere waren "aufgestallt",
d.h., sie blieben in den Stallungen und wurden hier versorgt. So konnte dann der meist fröhlichen Arbeit in den Spinnstuben mehr Zeit gewidmet werden, wo die Frauen und Mädchen abends oft von den Männern und Burschen unterstützt wurden.
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Gedenk- und Feiertage
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Winterszeit
(Zeich. von Dietmar Griese, Verl.- Gr. Falken)
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Auch im Dezember gibt es eine Fülle von Gedenk- und Feiertagen, u.a. die Feste St.Barbara, St.Nikolaus, dann "Thomas Esel" und das Weihnachtsfest. Bei uns erhält der letzte Tag im alten Jahr, der 31. Dezember, noch einmal eine besondere Note: An diesem Abend trugen früher die "Schulmeister" das untenstehende "Heischelied" unter den Fenstern der Eltern von Schulkindern vor, in dem auch einiges vom Schulsystem des 19. Jahrhunderts anklingt. In jüngerer Zeit wird das Lied von den Kindern selbst gesungen, die dafür u.a. mit Äpfeln, Nüssen usw. bedacht werden.
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Nigjauhersliet:
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"Nigjauher, Nigjauher, noh Scheule witt weu chauh'n! Vah witt weu mitniemen, Mömme witt weu stauh'n lauten. Heu in düsen Hiuse, Vader un Moder, Sühne un Döchter, Knächte un Mägde, weu wünsket jiu alle oin chlücksiäliges Nigjauher !"
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Neujahrslied:
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"Neujahr, Neujahr, zur Schule wollen wir gehn! Den Vater wollen wir mitnehmen, die Mutter mag zurückstehn. Hier in diesem Hause, Vater und Mutter, Söhne und Töchter, Knechte und Mägde, wir wünschen Euch allen ein glückseliges Neues Jahr !"
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